Fallstricke in der Migränetherapie

Die Migräne ist in den meisten Fällen gut behandelbar. Im Folgenden sind häufige Behandlungsfehler aufgeführt, die dazu führen können, dass die Therapie nicht ausreichend anschlägt:

1.) Bei der Migräneattacke werden die Akutmedikamente (z.B. Ibuprofen, Aspirin, Triptane) nicht ausreichend hoch dosiert oder zu spät eingenommen. Ein "Aussitzen" der Migräneattacke ist oftmals nicht erfolgreich. Eine frühzeitige Medikamenteneinnahme kann hingegen oftmals die vollständige Ausbildung der Migräneattacke stoppen

2.) Es stehen dem Patienten nur orale Medikamente zur Verfügung, obwohl die Migräneattacke mit Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Es gibt auch spezielle Migränepräparate, die als Nasenspray oder Injektion unter die Haut angewendet werden können.

3.) Medikamente zur Migräneprophylaxe werden von Anfang in hoher Dosis gegeben, anstatt sie langsam einzuschleichen um dadurch mögliche Nebenwirkungen zu reduzieren. Ein positiver Effekt der Medikamente ist oftmals erst nach ein paar Wochen zu verzeichnen, so dass für eine neue Therapie ein wenig Geduld erforderlich ist.

4.) Fehlendes Gespräch über Sinn und Zweck, mögliche Nebenwirkungen und Dauer der Therapie.
Oftmals kommt es bei Migränepatienten zu einer Verunsicherung, wenn sie ein "Antidepressivum" verschrieben bekommen. Diese Medikamente wirken aber nicht nur gegen Depressionen, sondern haben auch eine Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung.
Auch die Dauer der Medikamenteneinnahme wird oftmals falsch eingeschätzt. Häufig kann eine Migräneprophylaxe zunächst für 6 - 12 Monate durchgeführt werden und muss nicht zwangsläufig als lebenslange Therapie erfolgen. 

5.) Die Therapieziele werden unrealistisch gesetzt. Eine vollkommene Beschwerdefreiheit ist oftmals nicht möglich. Das erste Ziel sollte eine Attackenreduktion von mindestens 50% sein. Und eine Reduktion von 8 auf 2-3 Attacken im Monat ist für die Betroffenen doch schon ein Erfolg.

6.) Bei einem Dauerkopfschmerz, d.h. tägliche Kopfschmerzen ohne wesentliche Besserung durch Schmerzmittel,  muss immer an einen Medikamenten induzierten Kopfschmerz gedacht werden. Gefährdet sind Betroffene, die über 3 Monate an mehr als 10 Tagen im Monat Schmerzmittel einnehmen.